Dank autarkem System: Thurgauer Feuerwehren können auch bei einem Blackout alarmiert werden

Thurgauer Zeitung | 17.01.2026

Nicht nur in Amriswil und Romanshorn gibt es seit Kurzem einen besonderen Alarmknopf beim Feuerwehrdepot.

Romanshorns zuständiger Stadtrat Roman Imhof und Feuerwehrkommandant Andreas Dalcher.

as Jahr 2026 war gerade mal zwei Tage alt, als in Berlin ein Brandanschlag auf das Stromnetz der deutschen Hauptstadt verübt wurde. Rund 100’000 Menschen hatten über fünf Tage keinen Strom. Noch viel mehr Menschen waren am 28. April 2025 von einem landesweiten Stromausfall in Spanien und Portugal betroffen. Laut ETH-Forscher Leonard Schliesser («Die Frage ist gar nicht, ob, sondern wann.») sei ein solcher Blackout auch in der Schweiz durchaus denkbar.

Auch wenn das Szenario äusserst selten eintreten dürfte, und noch seltener ausgerechnet dann ein Feuer ausbrechen sollte, so rüsten sich dennoch sämtliche Thurgauer Feuerwehren in Zusammenarbeit mit der kantonalen Gebäudeversicherung (GVTG) für genau diesen Fall, bei dem die üblichen Kommunikationskanäle wie Festnetz, Mobilfunk und Internet nicht mehr funktionieren. Das System nennt sich «autarke Notfallalarmierung» und stützt sich auf Paging-Funknetze mit eigenen, lokal oder kantonal betriebenen Sendeanlagen und Notstrom.

Nur dann benutzen, wenn die Nummer 118 nicht erreichbar ist

Andreas Bösch, Kommandant der Feuerwehr Amriswil.


«Im Normalbetrieb erfolgt die Alarmierung weiterhin über die Notrufzentrale 118», sagt Andreas Bösch, Kommandant der Feuerwehr Amriswil. Falle diese Möglichkeit jedoch aus, zum Beispiel bei einem Blackout oder Cyberangriff, komme der autarke Notalarm hinzu. Dieser werde dann über Funknetz an die Feuerwehrleute gesendet.

In einer solchen Ausnahmesituation müsse man sich bei einem Notfall zum Feuerwehrzentrum begeben, wo sich ein klar gekennzeichneter Notalarm-Kasten befinde, meist in roter Farbe und mit der Aufschrift «Notalarm Feuerwehr», erklärt Bösch. Nach dem Öffnen des Kastens werde der Notalarm durch Betätigung des Auslöseknopfes aktiviert, die Feuerwehrangehörigen würden den Alarm auf ihren Pagern erhalten und ins Feuerwehrzentrum einrücken. «Die meldende Person muss sonst nichts mehr machen, jedoch vor Ort auf die Einsatzkräfte warten», betont der Amriswiler Kommandant

Rechts beim Eingang zum Feuerwehrzentrum Amriswil an der Kreuzlingerstrasse 28 befindet sich der Notfallknopf.


In Amriswil ist der Kasten schon seit dem letzten Jahr in Betrieb. Ebenso in Romanshorn, sagt Andreas Dalcher, Feuerwehr-Kommandant der Hafenstadt, in der das System bereits seit dem 1. Dezember scharf ist. Auch dort ist der Alarmierungskasten beim Feuerwehrdepot an der Gottfried-Keller-Strasse 6 gut sichtbar installiert. Doch erst jetzt machen die Feuerwehren im ganzen Kanton allmählich auf das autarke Notalarmierungssystem aufmerksam.

Bis Ende 2026 flächendeckend im ganzen Thurgau

«Das ist eine riesige Übung», sagt Christian Lenski, Feuerwehrinspektor bei der Gebäudeversicherung, und verweist auf den grossen logistischen Aufwand bei rund 60 Feuerwehren im Kanton, die mit dem System ausgerüstet werden müssen. Man habe letztes Jahr begonnen und wolle bis spätestens Ende dieses Jahres bei jedem Feuerwehrgebäude im Kanton den Kasten installiert haben.

Um einen allfälligen Missbrauch zu verhindern, gebe es jedoch Schutzmechanismen, sagt Romanshorns Kommandant Andreas Dalcher. «Wird der Alarmierungskasten geöffnet, so startet automatisch eine Videoaufzeichnung.»

Dalcher wird auch am kommenden Montag, am 19. Januar, zugegen sein, wenn die Feuerwehr Romanshorn alle Interessierten um 19.30 Uhr zum Informationsabend in ihr Depot einlädt. Vorgestellt werden nebst dem neuen Notalarm auch der moderne Fahrzeugpark sowie die verschiedenen spannenden Funktionen in der Feuerwehr.